| Kehrt marsch in die Zukunft und zu vollen Stadtkassen | ||||
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Mit den neu gegründeten Stadtwerken sollen in Schmalkalden sauberer Strom und preiswerte Wärme erzeugt werden. Die Technologie kommt aus Kalifornien, das Know-How aus Finnland.
Die Stadt Schmalkalden ist jetzt den umgekehrten Weg gegangen und hat im vergangenen Jahr eine Stadtwerke-Gesellschaft gegründet. Das langfristige Ziel: mit der Produktion von Strom und Wärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung Profit erwirtschaften und die chronisch klamme Stadtkasse auffüllen. "Der Gewinn wird in Schmalkalden reinvestiert werden", verspricht Bürgermeister Thomas Kaminski. Auch Spielraum zur weiteren Stadtentwicklung erhofft er sich. "Wir gucken nach Meiningen, wo die Stadtwerke auch Immobilien entwickeln." Während Schmalkalden seit Jahren von einem Parkhaus träumt, betreiben die Meininger Stadtwerke sogar ein Hallenbad. Sowohl mit ihrem Geschäftsmodell als auch mit der Technik betreten die Schmalkalder Neuland. Wer wissen will, wie dieses aussieht, muss ins Gründerzentrum TGF am Rand der Plattenbausiedlung fahren. Dort hat sich die Firma Greenvironment eingemietet, ein ursprünglich finnisches Unternehmen, das Strom und Wärme mit kleinen Gasturbinen erzeugt. Der deutsche Ableger von Greenvironment - ein englisches Kunstwort aus grün und Umwelt - ist mit 30 Prozent an der Dezentralen Energien Schmalkalden GmbH (DES) beteiligt. Die restlichen 70 Prozent gehören den Schmalkalder Stadtwerken. Public-Private-Partnership heißt diese Form der Zusammenarbeit. Ausgefeilte Technik"Die DES baut, plant und betreibt die Anlagen von Greenvironment", erklärt der städtische Wirtschaftsförderer René Killenberg im Foyer des Gründerzentrums. Hier steht eine jener Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, mit denen die Stadtwerke bald Geld verdienen wollen - ein cremefarbener Container, kaum größer als ein Kleiderschrank. Im oberen Teil hängt die Mikrogasturbine, in der Gas verbrannt und Strom erzeugt wird. Die Abwärme ist bis zu 300 Grad heiß und wird über einen Wärmetauscher zur Heizung genutzt.
Über eigene Stadtwerke denken die Schmalkalder schon seit etwa 18 Jahren nach, erzählt der Bürgermeister. "Wir haben hier mehrere Einheiten, die größere Wärmemengen brauchen", sagt er und meint damit Wohngebiete wie die Plattenbausiedlung. Nach dem Sturm Kyrill haben die Überlegungen einen neuen Schub bekommen. "Wir haben viele Holzreste im Wald, außerdem fällt jede Menge Grünschnitt an." Statt für die Entsorgung noch Geld zu bezahlen, könnte man doch damit Geld verdienen. Immerhin 1800 Hektar Wald gehören der Stadt. Weil die Technik der Holzvergasung jedoch unausgereift sei, habe man sich auf Biogas konzentriert. Die Pläne, gemeinsam mit der Agrargenossenschaft aus Gülle und Pflanzen Gas herzustellen, zerschlugen sich jedoch. Stattdessen kaufen die Stadtwerke jetzt das Biogas von anderen Anbietern. Wirtschaftliches StandbeinEtwa zur gleichen Zeit dachten die Stadtväter gemeinsam mit dem Gründerzentrum über ein weiteres wirtschaftliches Standbein nach. "Hier fehlt was neben Metall und Kunststoff", sagt Kaminski. Die Chefin des TGF stellte den Kontakt zu Greenvironment her. "Die Firma ist seit 2002 in Deutschland und möchte mittelfristig die Produktion nach Schmalkalden verlegen." Etwa 15 Arbeitsplätze könnten entstehen und die Thüringer Kleinstadt zum Servicezentrum für ganz Deutschland werden. Bis jetzt halten nur der Techniker Markus Ölzner und ein Kollege die Stellung. "Wir sind seit Jahresanfang hier", sagt Ölzner. In einer Halle im TGF, man könnte darin Handball spielen, hat er sein Domizil. Eine weitere Turbine in cremefarbener Blechkiste steht hier, das 200-Kilowatt-Modell, wuchtig wie ein Kleinlaster. "Greenvironment stellt diese Anlage bei einem Bauern auf, der Biogas herstellt", erklärt Ölzner. "Wir kaufen ihm das Biogas ab und beschicken damit die Anlage." Der Strom wird ins Netz eingespeist, die Wärme an andere Abnehmer verkauft. Wenn Ölzner die Technik erklärt, fangen seine braunen Augen an zu leuchten. Das Gas wird mit so hohem Druck ins Turbinengehäuse geleitet, dass die Welle mit den Schaufelrädern im Innern abhebt und schwebt. Das Biogas vom Bauern wird dazu mit einem Kompressor verdichtet; Erdgas muss aus einer Hochdruckleitung eingespeist werden. Bisher werde Biogas hauptsächlich in Motoren verbrannt, die nach fünf Jahren ausgetauscht werden müssen, sagt Ölzner. "Die Turbine hält etwa doppelt so lang." Sollte sie dennoch einmal defekt sein, werde sie im ganzen ausgetauscht, was die Stillstandszeiten senkt. "Wenn ein Motor kaputt geht, dann muss man ihn komplett auseinander nehmen." Eine 200-kW-Turbine kann den Bedarf von 500 Dreipersonenhaushalten decken, mit der Abwärme 70 solcher Haushalte beheizt werden. Erster Kunde der DES, des Gemeinschaftsunternehmens von Greenvironment und Stadtwerken, ist das Gründerzentrum TGF. Im Heizungsraum steht ein übermannshoher Turbinenkasten samt Wärmetauscher, produziert Strom und so viel Wärme, dass der bestehende Heizkessel nur noch bei strengem Frost anspringen muss. Als nächstes sollen zwei Heizhäuser in der Stadt mit den Turbinen ausgestattet werden und die Grundlastversorgung übernehmen. "Wir können den Mietern damit günstigere Nebenkosten anbieten", sagt der Bürgermeister - für 1300 angeschlossene Wohnungen, die Fachhochschule und ein Gewerbegebiet. Ökostrom aus SchmalkaldenMehr als eine Million Euro investiert die DES in dieses Projekt - und damit auch in den Umweltschutz, weil für den Betrieb Biogas eingekauft wird. Schon im kommenden Jahr wollen die Stadtwerke eigenes Biogas herstellen, sagt der Bürgermeister. Dass es auch mit der Holzvergasung noch klappt, hofft der Wirtschaftsförderer. Am Fraunhofer-Institut werde an geeigneten Techniken geforscht. Wenn alles funktioniert, gibt es bald wirklich "Ökostrom made in Schmalkalden". |
| Aktualisiert ( Donnerstag, 08. Oktober 2009 um 12:29 Uhr ) |



Schmalkalden - Es ist noch gar nicht lange her, da verkauften deutsche Kommunen reihenweise ihre städtischen Betriebe. Private Unternehmer sollten die Dienste von Stadtwerken, Bauhöfen und Wohnungsgesellschaften viel preiswerter erledigen. Außerdem waren einige Unternehmen als Selbstbedienungsläden korrupter Politiker in Verruf geraten, sollte der Sumpf trockengelegt und weiterem Filz ein Riegel vorgeschoben werden.
Die Turbine kommt von der Firma Capstone aus Kalifornien. Sie ist in silberne Folie gepackt und wirkt mit ihren Anschlussrohren und -schläuchen aus Edelstahl wie ein Satellit kurz vor dem Start. Die Technik ist ähnlich ausgefeilt - die Capstone-Turbinen laufen in einem Lager aus Luft und brauchen keine Ölschmierung. Damit sind sie wesentlich langlebiger und arbeiten weitgehend wartungsfrei. Außerdem könne Greenvironment als einzige Firma weltweit Biogas nutzen, sagt Thomas Kaminski. Der anderen Zusammensetzung wegen versagen herkömmliche Turbinen bei Biogas.